Beton als CO2 -Senker: Der Kreis schliesst sich

Innovatives Pilotprojekt im Werk Rubigen

Bei der Herstellung von Zement werden grosse Mengen Kohlendioxid freigesetzt. Erst im Verlauf der Zeit nimmt der Beton durch natürliche Karbonatisierung wieder CO2 auf. Das ETH-Spin-Off neustark hat eine Methode entwickelt, diese Speichereigenschaft zu nutzen. Kästli ist Mitinitiator dieses zukunftsträchtigen Projekts.

Bereits 2018 kommen die beiden Jungunternehmer und Neustark-Gründer Johannes Tiefenthaler und Valentin Gutknecht auf Kästli zu. Ihr Interesse gilt dem mineralischen Abbruchmaterial, das im Betonwerk recycelt wird. Was im Labor funktioniert hat, wird bei Kästli in Rubigen als Feldversuch wiederholt. Die Resultate sind so vielversprechend, dass im Sommer 2020 eine Pilotanlage in Betrieb genommen werden kann. Darin reagiert flüssiges, biogenes Kohlendioxid von der ARA Bern mit dem zu Betongranulat aufbereiteten Altbeton aus Rückbauten. Pro Tonne Altbeton können aktuell rund zehn Kilo CO2 gespeichert werden.

Daniel Kästli, VR-Präsident der Kästli-Gruppe und Valentin Gutknecht, Co-Gründer und CEO Neustark sind zuversichtlich: «Die neue Technologie ist ökologisch höchst vielversprechend und erfüllt wichtige Nachhaltigkeitsziele».

Ganzheitlich nachhaltig

«Für uns ist das ein sehr spannendes und zukunftsträchtiges Projekt», sagt Verwaltungsratspräsident Daniel Kästli. «Der Kästli-Gruppe liegen ökologische Anliegen seit langem am Herzen. Es ist unser Ziel, eine möglichst ganzheitliche Nachhaltigkeit zu leben.» Die über hundertdreissigjährige Bauunternehmung mit Sitz in Rubigen engagiert sich deshalb ökologisch, sozial und wirtschaftlich. Durch die seit rund vierzig Jahren etablierte Kreislaufwirtschaft, werden die inerten Bauabfälle aufbereitet und rezykliert.

Zudem arbeitet der Betrieb von Kästli seit 2013 CO2-neutral. «Unseren eigenen CO2-Ausstoss reduzieren wir mit geeigneten Massnahmen und Investitionen wo immer möglich. Den Rest kompensieren wir über unseren Klimapartner Fair Recycling.» Auch hier zählt für Kästli neben dem klimarelevanten der soziale Aspekt: Die Kühlschrank-Recycling-Fabrik in Brasilien schafft viele Arbeitsplätze. «Ergibt sich jedoch die Möglichkeit, die eigene CO2-Emissionen hier vor Ort in der Schweiz zur reduzieren, ist das natürlich die bessere Option», so Daniel Kästli. Kein Wunder, ist die Idee des Start-ups auf ein offenes Ohr gestossen.

Emissionen vermeiden, Qualität steigern

Durch die hohe Nachfrage ist die weltweite Zementproduktion einer der grössten Kohlendioxid-Emittenten überhaupt. «Wenn wir hier etwas an der Schraube drehen können, ist das ein grosser Schritt in die richtige Richtung», ist sich Daniel Kästli sicher. Die bisherigen Resultate zeigen, dass die Technologie von Neustark neben dem «Rückspeichern» von CO2 im Betongranulat auch dazu beitragen kann, den Zementbedarf beim Recyclingbeton zu senken. Daraus ergibt sich ein doppelt positiver Effekt in Bezug auf die CO2-Gesamtmenge. Einerseits wird biogenes Kohlendioxid aus der ARA Bern, welches normalerweise in die Atmosphäre entweichen würde, mit dem Betongranulat in Kontakt gebracht und bindet sich dort dauerhaft als Kalkstein.

«Das gemahlene Abbruchmaterial wird dadurch wieder gesteinsähnlich», erklärt Kästli, «wodurch wir bei der Herstellung von neuem Beton weniger Zement benötigten. Folglich wird die Entstehung von CO2 bereits bei der Quelle reduziert.»

Umweltgedanke wird wichtiger

Noch steckt das Verfahren in den Kinderschuhen. «Der Prozess ist ökologisch höchst vielversprechend. Die Wirtschaftlichkeit muss allerdings noch verbessert werden», gibt Daniel Kästli zu bedenken. «Wie bei der Photovoltaik erwarte ich hier aber schon bald grosse Fortschritte». In einem nächsten Schritt gilt es, die CO2-Speicherfähigkeit des recycelten Betongranulats zu erhöhen, die Betriebsabläufe zu optimieren und dadurch die Effizienz zu steigern. Wie bei allen neuen Produkten ist hier noch weitere Pionierarbeit zu leisten. Hoffnung setzt Kästli auch auf das neue Gesetz über das öffentliche Beschaffungswesen, das 2021 in Kraft treten wird: «Bei der Projektvergabe zählen dann nicht mehr nur die ökonomischen Aspekte, sondern vermehrt auch der Nachhaltigkeitsgedanke.

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